Fischbeker Mahn- und Ehrenmal
Inschrift am Fischbeker Mahnmal auf dem Kirchhof der Cornelius-Kirche von 1980

Wenn alle traurig sind.

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Wenn alle traurig sind, dann ist das etwas anderes, als wenn alle wütend sind.

Die Traurigkeit ist voller Schmerz und voller Liebe, und manchmal kann daraus eine große Kraft wachsen.

Immer
wenn ich traurig bin
sagst du: »Ich weiß«
und nimmst
meine Hände.

Du machst sie
zu Feuerbündeln
die den Raum
erwärmen.

Plötzlich
weiß ich nicht mehr
was Kälte ist
und verschenke
meinen Schal
in den Straßen.

Einer
wird aufhören
zu frieren
so wie ich
denn
du sagst: »Ich weiß«.

Alexandra Sadôra

Wenn alle traurig sind, dann ist Volkstrauertag.

Am Volkstrauertag 1980 wurden zum ersten Mal Kränze am Mahnmal auf unserem Kirchhof niedergelegt. Das ist jetzt genau 40 Jahre her.

Auf Französisch heißt 40 »quarante«. Davon leitet sich das Wort »Quarantäne« ab. Im 14. Jahrhundert wurden erstmals vierzigtägige Isolationsperioden zur Vermeidung von Pestepidemien verhängt.

Die Vereine und Verbände, die 40 Jahre lang gemeinsam des Leids dieser Welt gedachten, werden in diesem Jahr jeweil für sich im Lauf des Tages ihre Kränze am Mahnmal niederlegen. Und die Kranzschleifen erinnern an den Schal aus dem Gedicht von Alexandra Sadôra.

Das Leid der Welt aber, das es zu tragen gilt, muss man auch irgendwo hin tragen. Darum feiern wir um 11 Uhr Gottesdienst. Die Kränze tragen wir ans Ehrenmahl, das Leid selbst aber legen wir Gott vor die Füße, der sagt: »Ich weiß«

Ich wünsche Euch allen Liebe und Trost in diesen Novembertagen
Gerhard Janke